Nähprojekt - Das Korsett

 

Und es ist sein erstes Nähprojekt überhaupt! Das ist schon ziemlich ungewöhnlich. Denn für einen Anfänger an der Nähmaschine gibt es wahrlich einfachere Projekte, um sich mit der Materie vertraut zu machen und Erfahrung zu sammeln. Doch Bernhard Gäde will es sich und seiner Freundin beweisen. Seiner Freundin? Genau, denn sie und ein gemeinsames Shopping-Erlebnis sind der Auslöser für seinen verwegenen Einstieg in die Nähwelt. Woher wir das wissen? Vom Schneidermeister höchst selbst. Denn seiner ausführlichen Nähanleitung stellte Bernhard Gäde eine amüsante Beschreibung voran, wie ihn eine Korsage dazu veranlasste, erst bei W6 eine Nähmaschine zu kaufen, und sich dann in ein Nähabenteuer der besonderen Art zu stürzen. Doch lesen Sie selbst!


 

Einstellung für Ihre W6 Nähmaschine

Mechanische Baureihe

Nähnadeln: W6-Super Stretch 90.

Stichwahl & Nutzung:

  • Geradstich, Stichlänge 3 - 3,5
  • Versäubern / Abketteln: Federstich.

Computer Baureihe

Nähadeln: W6-Super Stretch 90.

Stichwahl & Nutzung:

  • Geradstich, Stichlänge 3 - 3,5
  • Versäubern / Abketteln: Abkettelstich.
  • (Erläuterung unter Hilfe -> Maschinentyp -> Stichwahl & Nutzung)

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Das benötigte Material

  • Oberstoff nach Geschmack. Hier: roter Polyester-Satin.
  • Fester, angenehm zu tragender Stoff für das Futter und das Doppeln des Oberstoffes bevorzugt in Köperbindung. Hier: einfacher
  • Baumwollstoff in Leinwandbindung.
  • Spitzenstoff zur Verzierung.
  • 10 mm breites Satinband (ca. 4 m).
  • Satinschrägband zur Einfassung (ca. 3 m).
  • 5 mm breite Spiralfeder (ca. 4 m), dazu 22 Endkappen.
  • Ösen mit Innendurchmesser 5 mm.

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Die Anleitung Schritt für Schritt

Das Korsett - mein Nähprojekt

Alles begann an einem wunderschönen Shoppingtag. Wunderschön zumindest für meine Freundin. Bei mir männlichem Erdenbewohner war nach zwei (gefühlt acht) Stunden des städtischen Herumrennens längst die Freude einer völligen Erschöpfung gewichen. Selbstverständlich ließ ich keine Gelegenheit aus, zu lamentieren und aller Welt mein großes Leid zu klagen.
Schließlich griff meine Freundin zum letzten Mittel: Unterwäscheabteilung. Plötzlich von neuen Geistern belebt, beschaute ich wohlwollend die dargeboten Waren. Besonders attraktiv erschien mir ein Dings, das die Trägerin in spe als Korsage identifizierte. Ebenso bewundernswert wie das Textil war jedoch auch dessen Preis, der jedenfalls bei Weitem nicht mehr als studentisch zu bezeichnen war. Da ließ ich mich zu einem verhängnisvollen Spruch hinreißen: „Für den Fetzen Stoff mit drei Nähten dran wollen die so´n Haufen Geld?! Das krieg ja sogar ich noch hin!”
Das krieg ja sogar ich noch hin. Krieg ich das hin? Dem Ingenieur ist doch nichts zu schwör. Oder doch? Kurz, ich hatte Blut geleckt. Der Gedanke, eine hübsche kleine Korsage zu basteln - sicher gar nicht so schwer-, ließ mich nicht mehr los. Sehr gelegen kamen mir da die Weihnachtsferien, um an Mutters Nähmaschine einen ersten Versuch zu wagen:
Selbstverständlich kein Meisterwerk! Und Personen, denen dieses Modell passen würde, sind definitiv zu jung für ein solches Kleidungsstück. Aber dafür, dass ich ohne jede Vorkenntnis und mit einem nach meiner Vorstellung aufs Papier gekritzelten Schnittmuster ans Werk gegangen war, erschien mir das Resultat doch recht ermutigend. So ermutigend, dass ich nach einem Monat Bedenkzeit beschloss, mir an meinem Studienort eine Nähmaschine zuzulegen. Selbstverständlich wäre spätestens ab diesem Zeitpunkt die gekaufte Korsage die günstigere Alternative gewesen, aber jetzt wollte ich es eben wissen. Günstig sollte die Maschine natürlich sein, schließlich war der Ausgang der ganzen Angelegenheit ungewiss. Andererseits wollte ich auch nicht am Material scheitern und mir Schrott einhandeln. Viele positive Bewertungen überzeugten mich zum Kauf einer W6 N 1615, die mir wenig später von einem grinsenden Paketboten mit den Worten „Viel Spaß beim Stricken!” geliefert wurde. Mein Hinweis an W6: Ein geschlechtsneutrales Design der Verpackung ist wünschenswert. Obwohl ich die Strickfunktion bis heute leider nicht aktivieren konnte, hat mich die Maschine nicht im Geringsten enttäuscht.


Die Beschreibung des Korsetts

Natürlich soll ein Korsett den Körper formen. Da die Idee zu diesem Exemplar aber aus einer Korsage hervorgegangen war, stand mehr die Optik als diese Funktion im Vordergrund. Eine besonders feste Schnürung für eine Wespentaille ist daher nicht möglich, aber auch gar nicht beabsichtigt. Da Stoffe und Nähte durch den permanenten Zug trotzdem stark beansprucht werden, ist das Korsett dennoch recht robust ausgelegt.
Das Korsett besteht aus zwei Lagen, dem Futter und dem Oberstoff, beide sind nach dem gleichen Schnittmuster genäht. Da der Oberstoff aus wenig belastbarem Polyestersatin besteht, wurden alle Oberstoffteile mit dem gleichen Stoff gedoppelt, aus dem auch das Futter gefertigt wurde. Dabei handelt es sich um einen einfachen weißen Baumwollstoff in Leinwandbindung, was sich während des Nähens als nicht optimal herausstellte. Empfehlenswerter wäre ein gewebter Stoff mit sogenannter Köperbindung gewesen, da sich dieser den erforderlichen Kurven deutlich besser anpassen sollte.
Zur Verzierung ist zusätzlich auf die vier Vorderteile ein Spitzenstoff aufgenäht.
Damit ein Korsett beim Schnüren nicht in der Taille zusammengezogen wird, sondern auch eine gewisse stützende Wirkung entfalten kann, werden Stäbchen eingearbeitet. Die Besonderheit bei diesem Korsett liegt darin, dass die Stäbchen genau zwischen den Teilungsnähten von Futter und Oberstoff liegen, wobei diese von einem kontrastfarbenen Satinband verdeckt werden. Die Nähte, mit denen die Bänder aufgenäht werden, bilden zugleich die Tunnel für die Stäbchen.
Auf eine Korsettschließe in der vorderen Mitte wurde verzichtet.


Der Entwurf des Schnittmusters

Für den Entwurf des Schnittmusters werden die Oberweite, das Unterbrustmaß, die gewünschte Taillenweite sowie die Hüftweite benötigt. Die Höhe der Taillenlinie misst man bequemer Weise von einem Bezugspunkt auf dem Korsett aus, z.B. ab dem gewünschten unteren Rand der vorderen Mitte.
Für die Schnürung muss ein Spalt von ca. 5 cm zwischen den beiden Rückenhälften offen bleiben. Dieser Wert wird von den gemessenen Weiten abgezogen. Weil die linke und rechte Korsetthälfte spiegelsymmetrisch zueinander sind, muss das Schnittmuster nur für eine Hälfte entworfen werden. Die benötigten Weiten ohne den Rückenschlitz teilt man durch zwei. Die daraus resultierenden Maße dienen von nun an als Referenz-Gesamtmaße für den Entwurf. Sie müssen unbedingt eingehalten werden, damit das Korsett nicht an einer Stelle vom Körper absteht oder in ihn einschneidet. Teilt man die Maße nun durch die Anzahl der Teile pro Korsetthälfte, erhält man die Maße eines Referenzteiles. Würde man das Korsett aus zehn solcher gleichen Teile nähen, bekäme es die (rotations-symmetrische) Form einer Sanduhr. Diese gilt es jetzt an die wahren Gegebenheiten anzupassen. Selbstverständlich muss die Weite, die an einem Teil hinzugefügt wird, von einem anderen abgezogen werden und andersherum, so dass die Gesamtweiten unverändert bleiben. Zusätzlich müssen der Verlauf des oberen und des unteren Randes festgelegt werden.
Dabei ist zu beachten, dass die Kanten an der vorderen und hinteren Mitte gerade sein müssen. Ein relativ schmales, besonderes tailliertes Mittelteil lässt das Korsett enger gebunden erscheinen. Gerade, nach unten leicht zur Mitte laufende Kanten am Vorderteil wirken ebenfalls verschlankend. Überflüssige Weite kann gut dem Rückenteil zugerechnet werden. Bei der ganzen Verschieberei der Maße darf freilich das Mögliche nicht außer Acht gelassen werden. So kann zum Beispiel ein kleines Bäuchlein niemals zum Po verschoben werden.
Nach dem Entwurf wird ein erstes Teststück aus billigem Stoff genäht und das Schnittmuster anhand der dadurch gewonnenen Erkenntnisse verbessert.


Der Zuschnitt

Nach dem Schnittmuster werden nun mit 1,5 cm Nahtzugabe für die Seitennähte – an Ober- und Unterseite wird mit Schrägband versäubert, es wird dort also keine Zugabe benötigt – die folgenden Teile zugeschnitten:

  • Aus Futterstoff: alle Teile, Rückenteile mit ca. 5 cm Zugabe sowie neun 3 cm breite Streifen für die Tunnel (Länge entsprechend der Teilungsnähte).
  • Aus Oberstoff: alle Teile, Rückenteile mit ca. 8 cm Zugabe.
  • Aus Stoff zum Doppeln des Oberstoffs: alle Teile, Rückenteile ohne Nahtzugabe.
  • Aus Spitzenstoff: je zweimal das Vorderteil und das vordere Seitenteil.

Damit nichts ausfranst, ist es am besten, alle Teile, die nicht aus Futterstoff sind, sofort einzeln zu versäubern.


Arbeitsschritt Nr. 1

Zunächst wird das Futter geheftet und zusammengenäht.


Arbeitsschritt Nr. 2

Anschließend werden die Nahtzugaben auseinandergebügelt und mit den Stoffstreifen für die Tunnel mittels Federstich gleichzeitig übernäht und versäubert. Spätestens jetzt sollte man das Korsett anprobieren und den Sitz überprüfen. Auf Abbildung 3 ist das Futter noch ohne die aufgenähten Streifen zu sehen.


Arbeitsschritt Nr. 3

Als nächstes werden die Oberstoffteile gedoppelt, das heißt auf die entsprechenden Teile aus dem dazu ausgesuchten Stoff aufgesteppt


Arbeitsschritt Nr. 4

Auf die Vorderseite und vorderen Seitenteile wird zusätzlich der Spitzenstoff mit einem Zickzack-Stich aufgenäht.


Arbeitsschritt Nr. 5

Jetzt kann das Oberstoffkorsett genau wie das Futter zusammengenäht werden.


Arbeitsschritt Nr. 6

Es folgt der schwierigste Schritt: Das Aufnähen des Satinbandes, wodurch gleichzeitig die Seitennähte der Tunnel gebildet werden und das Futter mit dem Oberstoff verbunden wird. Abbildung 4 zeigt eine schematische Darstellung der einzelnen Lagen an einer Stoßnaht zweier Teile.
Das Satinband wird mit zwei Nähten exakt mittig über der Stoßnaht angebracht. Dadurch entsteht ein 10 mm breiter Tunnel zwischen dem Tunnelband und den Nahtzugaben des Futters, in den ein 5 mm breites Korsettstäbchen eingeschoben werden kann.
Dabei ist es wichtig, mit einer dünnen Nadel knapp am Rand auf den Webkanten zu steppen, damit der Tunnel breit genug bleibt. Dies wird dadurch erschwert, dass die Bänder sehr flexibel sind. Selbst wenn man das Satinband durch die Stoßnähte von Futter und Oberstoff mit einem engen Stich aufheftet, verschiebt es sich trotzdem unter dem Nähfuß und bildet unschöne Schlangenlinien. Um dies zu verhindern, ist es ungemein hilfreich, die Bänder mit stark festigender Wäschestärke zu behandeln. Reicht das allein nicht aus, die Bänder deutlich zu versteifen, kann man zur Stärkelösung auch noch ein wenig Zucker geben. Die so behandelten Bänder sollten sich nun problemlos und gerade aufnähen lassen.
Auf Abbildung 5 ist die Kante eines Rückenteiles mit den Ösen zu sehen, während Abbildung 6 den Lagenaufbau an der gleichen Stelle zeigt. Die Reihe der Ösen wird rechts und links von zwei Stäbchen gerahmt.
Dadurch bleibt die Rückenkante auch bei festerem Schnüren gerade. Die Tunnel werden aus der verlängerten Zugabe des Futters gebildet.


Arbeitsschritt Nr. 7

Diese Zugabe des Futters wird dazu nach innen umgeklappt (vergleiche Abbildung 6) und 9 mm von der Bruchkante abgesteppt. Außerdem wird der Oberstoff doppelt eingeschlagen, so dass er als Blende auf dem Futter liegt. Sollte das Korsett an der Schnürung leicht aufklaffen, sieht man nicht das Futter, sondern den schöneren Oberstoff.


Arbeitsschritt Nr. 8

Mit dem Aufnähen eines Satinstreifens in 3,5 cm Abstand zur Kante wird nun sowohl diese Blende befestigt als auch der Tunnel (zwischen dem dort doppelt liegenden Futter) für das zweite Stäbchen gebildet. Damit dies gelingt, muss man zuvor unbedingt sauber bügeln und heften, so dass beim Nähen nichts verrutschen kann.


Arbeitsschritt Nr. 9

Nun werden die Spiralfedern auf die Länge des jeweiligen Tunnels minus ca. 2,5 cm zugeschnitten und mit Endkappen versehen. Die Enden sollte man zusätzlich noch in Lack tauchen, damit sie nicht rosten können. Die Stäbchen sollten sich nun ohne Gewaltanwendung in die Tunnel schieben lassen, ist dem nicht der Fall, muss nachgearbeitet werden.


Arbeitsschritt Nr. 10

Sind alle Stäbchen am Platz, werden die Kanten des Korsetts mit einem umlaufenden Schrägband versäubert. Es empfiehlt sich hier ausdrücklich nicht, ein 20 mm (angenäht 10 mm) breites Schrägband zu verwenden, wie ich es versuchte. Besser ist ein 30 mm breites Schrägband. Denn weil die Stäbchen an den Rückenkanten unter dem Schrägband liegen, ist es unmöglich, das 10 mm breite Schrägband sauber anzunähen. Es funktioniert nur unter viel Ziehen und Zerren. Natürlich könnte man den Tunnel für das Stäbchen nicht unter, sondern neben das Schrägband legen. Allerdings finde ich die erste Lösung optisch schöner, und mit einem breiteren Band sollte sie auch problemlos durchführbar sein.
Damit sind die Näharbeiten am Korsett abgeschlossen


Arbeitsschritt Nr. 11

Der letzte Schritt ist das Einschlagen der Ösen für die Schnürung. Dazu werden Ösen mit einem Innendurchmesser von 5 mm und Scheiben auf der Rückseite verwendet. Sie sollten in einem Abstand von ca. 25 mm gesetzt werden, an der Taille etwas dichter. Das Setzen der Löcher wird dadurch erschwert, dass der Stoff an dieser Stelle sehr dick gepackt ist (vergleiche Abbildung 6). Ganz leicht und sauber lässt sich diese Arbeit mit einem Locheisen aus dem Eisenwarenhandel (kostet ca. drei Euro), einem Hammer sowie einem alten Buch als Unterlage erledigen. Zusammengepresst werden die Ösen mit dem meist beiliegenden Werkzeug oder einer speziellen Ösenzange.


Fertig

Viel Spaß beim Nachnähen

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  Und es ist sein erstes Nähprojekt überhaupt! Das ist schon ziemlich ungewöhnlich. Denn für einen Anfänger an der Nähmaschine gibt es wahrlich einfachere Projekte, um sich mit der Materie... mehr erfahren »
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Nähprojekt - Das Korsett

 

Und es ist sein erstes Nähprojekt überhaupt! Das ist schon ziemlich ungewöhnlich. Denn für einen Anfänger an der Nähmaschine gibt es wahrlich einfachere Projekte, um sich mit der Materie vertraut zu machen und Erfahrung zu sammeln. Doch Bernhard Gäde will es sich und seiner Freundin beweisen. Seiner Freundin? Genau, denn sie und ein gemeinsames Shopping-Erlebnis sind der Auslöser für seinen verwegenen Einstieg in die Nähwelt. Woher wir das wissen? Vom Schneidermeister höchst selbst. Denn seiner ausführlichen Nähanleitung stellte Bernhard Gäde eine amüsante Beschreibung voran, wie ihn eine Korsage dazu veranlasste, erst bei W6 eine Nähmaschine zu kaufen, und sich dann in ein Nähabenteuer der besonderen Art zu stürzen. Doch lesen Sie selbst!


 

Einstellung für Ihre W6 Nähmaschine

Mechanische Baureihe

Nähnadeln: W6-Super Stretch 90.

Stichwahl & Nutzung:

  • Geradstich, Stichlänge 3 - 3,5
  • Versäubern / Abketteln: Federstich.

Computer Baureihe

Nähadeln: W6-Super Stretch 90.

Stichwahl & Nutzung:

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  • Versäubern / Abketteln: Abkettelstich.
  • (Erläuterung unter Hilfe -> Maschinentyp -> Stichwahl & Nutzung)

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Das benötigte Material

  • Oberstoff nach Geschmack. Hier: roter Polyester-Satin.
  • Fester, angenehm zu tragender Stoff für das Futter und das Doppeln des Oberstoffes bevorzugt in Köperbindung. Hier: einfacher
  • Baumwollstoff in Leinwandbindung.
  • Spitzenstoff zur Verzierung.
  • 10 mm breites Satinband (ca. 4 m).
  • Satinschrägband zur Einfassung (ca. 3 m).
  • 5 mm breite Spiralfeder (ca. 4 m), dazu 22 Endkappen.
  • Ösen mit Innendurchmesser 5 mm.

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Die Anleitung Schritt für Schritt

Das Korsett - mein Nähprojekt

Alles begann an einem wunderschönen Shoppingtag. Wunderschön zumindest für meine Freundin. Bei mir männlichem Erdenbewohner war nach zwei (gefühlt acht) Stunden des städtischen Herumrennens längst die Freude einer völligen Erschöpfung gewichen. Selbstverständlich ließ ich keine Gelegenheit aus, zu lamentieren und aller Welt mein großes Leid zu klagen.
Schließlich griff meine Freundin zum letzten Mittel: Unterwäscheabteilung. Plötzlich von neuen Geistern belebt, beschaute ich wohlwollend die dargeboten Waren. Besonders attraktiv erschien mir ein Dings, das die Trägerin in spe als Korsage identifizierte. Ebenso bewundernswert wie das Textil war jedoch auch dessen Preis, der jedenfalls bei Weitem nicht mehr als studentisch zu bezeichnen war. Da ließ ich mich zu einem verhängnisvollen Spruch hinreißen: „Für den Fetzen Stoff mit drei Nähten dran wollen die so´n Haufen Geld?! Das krieg ja sogar ich noch hin!”
Das krieg ja sogar ich noch hin. Krieg ich das hin? Dem Ingenieur ist doch nichts zu schwör. Oder doch? Kurz, ich hatte Blut geleckt. Der Gedanke, eine hübsche kleine Korsage zu basteln - sicher gar nicht so schwer-, ließ mich nicht mehr los. Sehr gelegen kamen mir da die Weihnachtsferien, um an Mutters Nähmaschine einen ersten Versuch zu wagen:
Selbstverständlich kein Meisterwerk! Und Personen, denen dieses Modell passen würde, sind definitiv zu jung für ein solches Kleidungsstück. Aber dafür, dass ich ohne jede Vorkenntnis und mit einem nach meiner Vorstellung aufs Papier gekritzelten Schnittmuster ans Werk gegangen war, erschien mir das Resultat doch recht ermutigend. So ermutigend, dass ich nach einem Monat Bedenkzeit beschloss, mir an meinem Studienort eine Nähmaschine zuzulegen. Selbstverständlich wäre spätestens ab diesem Zeitpunkt die gekaufte Korsage die günstigere Alternative gewesen, aber jetzt wollte ich es eben wissen. Günstig sollte die Maschine natürlich sein, schließlich war der Ausgang der ganzen Angelegenheit ungewiss. Andererseits wollte ich auch nicht am Material scheitern und mir Schrott einhandeln. Viele positive Bewertungen überzeugten mich zum Kauf einer W6 N 1615, die mir wenig später von einem grinsenden Paketboten mit den Worten „Viel Spaß beim Stricken!” geliefert wurde. Mein Hinweis an W6: Ein geschlechtsneutrales Design der Verpackung ist wünschenswert. Obwohl ich die Strickfunktion bis heute leider nicht aktivieren konnte, hat mich die Maschine nicht im Geringsten enttäuscht.


Die Beschreibung des Korsetts

Natürlich soll ein Korsett den Körper formen. Da die Idee zu diesem Exemplar aber aus einer Korsage hervorgegangen war, stand mehr die Optik als diese Funktion im Vordergrund. Eine besonders feste Schnürung für eine Wespentaille ist daher nicht möglich, aber auch gar nicht beabsichtigt. Da Stoffe und Nähte durch den permanenten Zug trotzdem stark beansprucht werden, ist das Korsett dennoch recht robust ausgelegt.
Das Korsett besteht aus zwei Lagen, dem Futter und dem Oberstoff, beide sind nach dem gleichen Schnittmuster genäht. Da der Oberstoff aus wenig belastbarem Polyestersatin besteht, wurden alle Oberstoffteile mit dem gleichen Stoff gedoppelt, aus dem auch das Futter gefertigt wurde. Dabei handelt es sich um einen einfachen weißen Baumwollstoff in Leinwandbindung, was sich während des Nähens als nicht optimal herausstellte. Empfehlenswerter wäre ein gewebter Stoff mit sogenannter Köperbindung gewesen, da sich dieser den erforderlichen Kurven deutlich besser anpassen sollte.
Zur Verzierung ist zusätzlich auf die vier Vorderteile ein Spitzenstoff aufgenäht.
Damit ein Korsett beim Schnüren nicht in der Taille zusammengezogen wird, sondern auch eine gewisse stützende Wirkung entfalten kann, werden Stäbchen eingearbeitet. Die Besonderheit bei diesem Korsett liegt darin, dass die Stäbchen genau zwischen den Teilungsnähten von Futter und Oberstoff liegen, wobei diese von einem kontrastfarbenen Satinband verdeckt werden. Die Nähte, mit denen die Bänder aufgenäht werden, bilden zugleich die Tunnel für die Stäbchen.
Auf eine Korsettschließe in der vorderen Mitte wurde verzichtet.


Der Entwurf des Schnittmusters

Für den Entwurf des Schnittmusters werden die Oberweite, das Unterbrustmaß, die gewünschte Taillenweite sowie die Hüftweite benötigt. Die Höhe der Taillenlinie misst man bequemer Weise von einem Bezugspunkt auf dem Korsett aus, z.B. ab dem gewünschten unteren Rand der vorderen Mitte.
Für die Schnürung muss ein Spalt von ca. 5 cm zwischen den beiden Rückenhälften offen bleiben. Dieser Wert wird von den gemessenen Weiten abgezogen. Weil die linke und rechte Korsetthälfte spiegelsymmetrisch zueinander sind, muss das Schnittmuster nur für eine Hälfte entworfen werden. Die benötigten Weiten ohne den Rückenschlitz teilt man durch zwei. Die daraus resultierenden Maße dienen von nun an als Referenz-Gesamtmaße für den Entwurf. Sie müssen unbedingt eingehalten werden, damit das Korsett nicht an einer Stelle vom Körper absteht oder in ihn einschneidet. Teilt man die Maße nun durch die Anzahl der Teile pro Korsetthälfte, erhält man die Maße eines Referenzteiles. Würde man das Korsett aus zehn solcher gleichen Teile nähen, bekäme es die (rotations-symmetrische) Form einer Sanduhr. Diese gilt es jetzt an die wahren Gegebenheiten anzupassen. Selbstverständlich muss die Weite, die an einem Teil hinzugefügt wird, von einem anderen abgezogen werden und andersherum, so dass die Gesamtweiten unverändert bleiben. Zusätzlich müssen der Verlauf des oberen und des unteren Randes festgelegt werden.
Dabei ist zu beachten, dass die Kanten an der vorderen und hinteren Mitte gerade sein müssen. Ein relativ schmales, besonderes tailliertes Mittelteil lässt das Korsett enger gebunden erscheinen. Gerade, nach unten leicht zur Mitte laufende Kanten am Vorderteil wirken ebenfalls verschlankend. Überflüssige Weite kann gut dem Rückenteil zugerechnet werden. Bei der ganzen Verschieberei der Maße darf freilich das Mögliche nicht außer Acht gelassen werden. So kann zum Beispiel ein kleines Bäuchlein niemals zum Po verschoben werden.
Nach dem Entwurf wird ein erstes Teststück aus billigem Stoff genäht und das Schnittmuster anhand der dadurch gewonnenen Erkenntnisse verbessert.


Der Zuschnitt

Nach dem Schnittmuster werden nun mit 1,5 cm Nahtzugabe für die Seitennähte – an Ober- und Unterseite wird mit Schrägband versäubert, es wird dort also keine Zugabe benötigt – die folgenden Teile zugeschnitten:

  • Aus Futterstoff: alle Teile, Rückenteile mit ca. 5 cm Zugabe sowie neun 3 cm breite Streifen für die Tunnel (Länge entsprechend der Teilungsnähte).
  • Aus Oberstoff: alle Teile, Rückenteile mit ca. 8 cm Zugabe.
  • Aus Stoff zum Doppeln des Oberstoffs: alle Teile, Rückenteile ohne Nahtzugabe.
  • Aus Spitzenstoff: je zweimal das Vorderteil und das vordere Seitenteil.

Damit nichts ausfranst, ist es am besten, alle Teile, die nicht aus Futterstoff sind, sofort einzeln zu versäubern.


Arbeitsschritt Nr. 1

Zunächst wird das Futter geheftet und zusammengenäht.


Arbeitsschritt Nr. 2

Anschließend werden die Nahtzugaben auseinandergebügelt und mit den Stoffstreifen für die Tunnel mittels Federstich gleichzeitig übernäht und versäubert. Spätestens jetzt sollte man das Korsett anprobieren und den Sitz überprüfen. Auf Abbildung 3 ist das Futter noch ohne die aufgenähten Streifen zu sehen.


Arbeitsschritt Nr. 3

Als nächstes werden die Oberstoffteile gedoppelt, das heißt auf die entsprechenden Teile aus dem dazu ausgesuchten Stoff aufgesteppt


Arbeitsschritt Nr. 4

Auf die Vorderseite und vorderen Seitenteile wird zusätzlich der Spitzenstoff mit einem Zickzack-Stich aufgenäht.


Arbeitsschritt Nr. 5

Jetzt kann das Oberstoffkorsett genau wie das Futter zusammengenäht werden.


Arbeitsschritt Nr. 6

Es folgt der schwierigste Schritt: Das Aufnähen des Satinbandes, wodurch gleichzeitig die Seitennähte der Tunnel gebildet werden und das Futter mit dem Oberstoff verbunden wird. Abbildung 4 zeigt eine schematische Darstellung der einzelnen Lagen an einer Stoßnaht zweier Teile.
Das Satinband wird mit zwei Nähten exakt mittig über der Stoßnaht angebracht. Dadurch entsteht ein 10 mm breiter Tunnel zwischen dem Tunnelband und den Nahtzugaben des Futters, in den ein 5 mm breites Korsettstäbchen eingeschoben werden kann.
Dabei ist es wichtig, mit einer dünnen Nadel knapp am Rand auf den Webkanten zu steppen, damit der Tunnel breit genug bleibt. Dies wird dadurch erschwert, dass die Bänder sehr flexibel sind. Selbst wenn man das Satinband durch die Stoßnähte von Futter und Oberstoff mit einem engen Stich aufheftet, verschiebt es sich trotzdem unter dem Nähfuß und bildet unschöne Schlangenlinien. Um dies zu verhindern, ist es ungemein hilfreich, die Bänder mit stark festigender Wäschestärke zu behandeln. Reicht das allein nicht aus, die Bänder deutlich zu versteifen, kann man zur Stärkelösung auch noch ein wenig Zucker geben. Die so behandelten Bänder sollten sich nun problemlos und gerade aufnähen lassen.
Auf Abbildung 5 ist die Kante eines Rückenteiles mit den Ösen zu sehen, während Abbildung 6 den Lagenaufbau an der gleichen Stelle zeigt. Die Reihe der Ösen wird rechts und links von zwei Stäbchen gerahmt.
Dadurch bleibt die Rückenkante auch bei festerem Schnüren gerade. Die Tunnel werden aus der verlängerten Zugabe des Futters gebildet.


Arbeitsschritt Nr. 7

Diese Zugabe des Futters wird dazu nach innen umgeklappt (vergleiche Abbildung 6) und 9 mm von der Bruchkante abgesteppt. Außerdem wird der Oberstoff doppelt eingeschlagen, so dass er als Blende auf dem Futter liegt. Sollte das Korsett an der Schnürung leicht aufklaffen, sieht man nicht das Futter, sondern den schöneren Oberstoff.


Arbeitsschritt Nr. 8

Mit dem Aufnähen eines Satinstreifens in 3,5 cm Abstand zur Kante wird nun sowohl diese Blende befestigt als auch der Tunnel (zwischen dem dort doppelt liegenden Futter) für das zweite Stäbchen gebildet. Damit dies gelingt, muss man zuvor unbedingt sauber bügeln und heften, so dass beim Nähen nichts verrutschen kann.


Arbeitsschritt Nr. 9

Nun werden die Spiralfedern auf die Länge des jeweiligen Tunnels minus ca. 2,5 cm zugeschnitten und mit Endkappen versehen. Die Enden sollte man zusätzlich noch in Lack tauchen, damit sie nicht rosten können. Die Stäbchen sollten sich nun ohne Gewaltanwendung in die Tunnel schieben lassen, ist dem nicht der Fall, muss nachgearbeitet werden.


Arbeitsschritt Nr. 10

Sind alle Stäbchen am Platz, werden die Kanten des Korsetts mit einem umlaufenden Schrägband versäubert. Es empfiehlt sich hier ausdrücklich nicht, ein 20 mm (angenäht 10 mm) breites Schrägband zu verwenden, wie ich es versuchte. Besser ist ein 30 mm breites Schrägband. Denn weil die Stäbchen an den Rückenkanten unter dem Schrägband liegen, ist es unmöglich, das 10 mm breite Schrägband sauber anzunähen. Es funktioniert nur unter viel Ziehen und Zerren. Natürlich könnte man den Tunnel für das Stäbchen nicht unter, sondern neben das Schrägband legen. Allerdings finde ich die erste Lösung optisch schöner, und mit einem breiteren Band sollte sie auch problemlos durchführbar sein.
Damit sind die Näharbeiten am Korsett abgeschlossen


Arbeitsschritt Nr. 11

Der letzte Schritt ist das Einschlagen der Ösen für die Schnürung. Dazu werden Ösen mit einem Innendurchmesser von 5 mm und Scheiben auf der Rückseite verwendet. Sie sollten in einem Abstand von ca. 25 mm gesetzt werden, an der Taille etwas dichter. Das Setzen der Löcher wird dadurch erschwert, dass der Stoff an dieser Stelle sehr dick gepackt ist (vergleiche Abbildung 6). Ganz leicht und sauber lässt sich diese Arbeit mit einem Locheisen aus dem Eisenwarenhandel (kostet ca. drei Euro), einem Hammer sowie einem alten Buch als Unterlage erledigen. Zusammengepresst werden die Ösen mit dem meist beiliegenden Werkzeug oder einer speziellen Ösenzange.


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